© Eduard Erhart
OHeilende Zärtlichkeit

Tender Sex 

Mit einer neuen Sexualität

zu tiefer Erfüllung und einer friedlicheren Welt

Unser sexuelles Zentrum nach innen verlagern

Das Sehnen nach tiefer sexueller Erfüllung

Der Verlust unserer natürlichen Sexualität

Der zärtlichste Punkt, den wir in uns haben

Was wir „eigentlich“ im Sex suchen

Der Schmerz der Ekstase

Erregung vermittelt Zärtlichkeit

Warum Sex alles heilen kann

Sexuelle Gefühle loswerden

Empfänglich werden

Unser Inneres Baby sich ausdehnen lassen

Gegensätze zwischen den Geschlechtern überwinden

Intim-Akupressur

Sex ist Zärtlichkeit

Unsere menschliche Sexualität ist anders. Sie ist nicht nur so wie das, was wir gewöhnlich für Sex halten.

Sie hat noch weitere tiefere Dimensionen als die, die wir üblicherweise kennen. Der Sex, den wir

eigentlich suchen, ist nicht der, den wir so häufig haben. Das, wonach wir uns wirklich sehnen, ist nicht

nur das verbreitete Stimulieren einer sexuellen Erregung, um dadurch anschwellende Genitalien zu

bekommen. Und es ist nicht nur das weitere Steigern dieser Erektionen, um dadurch einen

kontrahierenden Orgasmus zu bekommen. Es ist nicht nur der Aufbau einer Spannung, um sie dann

endlich loszuwerden. Das, was wir für wahre Erfüllung brauchen, ist noch eine sexuelle Erregung einer

anderen Art.

Wenn wir unsere menschliche Sexualität so leben und erleben würden, wie sie "eigentlich" ist, wie sie

natürlicherweise wäre, dann hätten wir sehr viel Sex auch mit weniger und ohne Erektionen und sehr viel

Sex auch mit weniger und ohne Kontraktionsorgasmen, dann würden wir häufig eine sehr feine, zärtliche

sexuelle Erregung erleben und könnten selbst in starke und höchste sexuelle Erregung auch erektionsfrei

kommen. Dann würden wir, statt uns oft eher mechanisch und sofort mit viel Reibung zu stimulieren, uns

über lange Zeiten überaus zärtlich stimulierend berühren, und würden statt angespannten und gierigen

Erregungen äußerst weiche, zärtliche Erregungen erleben.

Unser sexuelles Zentrum nach innen verlagern

Dann würden wir unser sexuelles Zentrum nicht in unseren Genitalien 

sehen, sondern unsere Wahrnehmung nach innen verlagern und einen

machtvollen Ort im Innersten unseres Beckens finden, in den wir alle

unsere sexuellen Regungen aufnehmen können. Wie von einer

unendlichen Kraft verstärkt, können sie von hier als eine tiefe ekstatische

Erregung in unseren ganzen Körper strömen und uns in unserem ganzen

Menschsein ergreifen.

Denn diese Erregung vermag uns das zu geben, was wir uns am tiefsten

wünschen. Sexuelle Ekstase auch jenseits von genitalen Schwellungen

vermag uns das am stärksten zu vermitteln, wonach wir uns am meisten

sehnen: eine enorm starke, intensive, uns vollkommen durchdringende

Zärtlichkeit - zärtliche sexuelle Gefühle, in denen wir uns vollkommen

angenommen, geborgen und geliebt fühlen.

Und dies hängt noch nicht mal von einem Partner ab. Wir können diese Zärtlichkeit uns auch selbst

geben. Wir können sie in uns selbst erzeugen, wir können sie in uns finden. Sie ist bereits in uns da. Sie

ruht in unserem Körper, in einem magischen Punkt in der Tiefe unseres Beckens, und wartet nur darauf,

gefühlt zu werden.

Wir brauchen dafür in erster Linie eine feine Wahrnehmung von uns selbst, eine empfängliche Haltung,

eine Öffnung in unserem Becken - und wir brauchen Berührung! Berührung in einer liebevollen, äußerst

zärtlichen und sanft pulsierenden Weise. Wir brauchen sie zumindest von uns selbst und am besten auch

von anderen.

Das Sehnen nach tiefer sexueller Erfüllung

Sex spielt eine außergewöhnlich große Rolle in unserem menschlichen Leben. Nach nur wenigen Dingen

sehnen wir uns so sehr wie nach tiefer sexueller Erfüllung. Und gleichzeitig lehnen Menschen nur wenige

Dinge so konsequent oder so heftig ab wie allgegenwärtiges sexuelles Begehren. Ob leidenschaftliches

Verlangen oder strikte Ablehnung oder alltägliches Meiden sexueller Reize, kaum etwas bestimmt uns so

sehr in jedem Moment unseres Lebens, wie unser Verhältnis zu unserer Sexualität. Vielleicht sprühen wir

vor sexueller Lebensfreude, vielleicht sind wir offen oder versteckt völlig von Sex besessen, vielleicht

sehen wir viel Angespanntheit darin und fühlen uns davon abgestoßen, vielleicht spüren wir die tiefe

Bedeutung, die er für unser Leben hat, und die aufwühlenden Gefühle, die er in uns auslösen kann,

vielleicht kämpfen wir dauernd dagegen an, vielleicht wollen wir von unseren Wünschen möglichst wenig

wissen oder spüren sie fast nicht mehr. Und meistens ist es eine Mischung von allem, bei jedem

Menschen unterschiedlich.

Uns allen gemeinsam ist aber, dass wir kaum wissen, was es eigentlich genau ist, was wir da suchen -

oder so vehement ablehnen - was es wirklich ist, was sich da so dringend erfüllen möchte - oder

verbannt werden soll.

Wir glauben meist, dass es Lust ist, was wir mit unseren sexuellen Regungen erleben möchten, dass es

um ein Vergnügen mit unserem Körper geht oder gar um einen Trieb, dem wir mehr oder weniger

ausgeliefert sind. Je nach unseren Einstellungen und Erfahrungen halten wir das dann für etwas

grundlegend zum Menschsein Gehörendes oder für etwas ablehnenswertes Oberflächliches oder sogar

für etwas äußerst Schädliches, weil wir es wie eine Sucht erleben, wie etwas, das abhängig, angespannt

oder potentiell gewaltvoll macht, oder weil wir es als etwas Bedrohliches empfinden, das uns sehr leicht

unglücklich macht.

Und dann haben wir noch ein diffuses Bewusstsein darüber, dass Sex auch irgendetwas mit Liebe zu tun

hat, dass er uns offenbar an bestimmte Menschen binden kann, dass wir durch ihn besonders stark

Nähe und Geborgenheit erfahren können. Dann glauben wir möglicherweise, dass Sex etwas ist, das sich

nur in einer exklusiven Beziehung mit einer besonderen Liebe verbinden soll und dadurch von etwas, das

scheinbar ohne Liebe ist, zu etwas, das dann mit Liebe ist, werden soll. Wenn wir uns dann nach Sex

sehnen, ohne gerade eine solche Beziehung zu jemanden zu haben, oder wenn wir bemerken, dass wir

sexuelle Gefühle zu vielen Menschen gleichzeitig haben, halten wir das für eine aus einem Mangel

entstehende Verirrung oder gar für eine unheilvolle Verführung, der wir besser nicht nachgehen und die

wir möglichst ignorieren oder bekämpfen sollten.

Oder wir beginnen zu ahnen, dass unsere Sexualität doch mehr bedeutet, dass sie weiter geht als

höchstens mit einem Menschen sexuelle Berührungen zu haben, dass sie unser ganzes Leben und alle 

unsere zwischenmenschlichen Verbindungen durchdringt - dass sie noch eine tiefere Bedeutung hat.

Der Verlust unserer natürlichen Sexualität

Seit dem Moment unserer Menschheitsgeschichte, seit dem wir begannen, unsere Körper zu verhüllen

und sexuelle Kontakte zu den Menschen um uns herum als etwas Außergewöhnliches anzusehen, ist uns

unsere natürliche Sexualität verloren gegangen, ist unsere wahre Natur einer jederzeit sanften,

schmelzenden, weichen, äußerst zärtlichen und entspannten Sexualität der verzerrten Form einer eher

angespannten, verhärtenden, überschießenden, groben und gierigen Sexualität gewichen. In dem Maße,

wie wir unsere sexuellen Regungen und unsere Körper tabuisieren, verstecken, verschleiern und zu

etwas nicht Alltäglichem erheben, entsteht unweigerlich in uns eine künstlich angespannte Geilheit,

bekommen unsere sexuellen Regungen eine verfälschte Qualität, etwas Aufgereiztes, gierig Drängendes,

angespannt Haben-, Sich-nehmen-Wollendes, scheinbar Triebhaftes, ist die Art, wie wir Sexuelles erleben,

ein nur noch oberflächlicher Ausdruck von dem, was unsere menschliche Sexualität eigentlich ausmacht.

Wir können daran so sehr gewöhnt und darauf so sehr fixiert sein, dass wir ohne diese Anspannung,

ohne diesen Reiz des Besonderen, des Unerhörten kaum mehr in der Lage sind, eine sexuelle Erregung

zu fühlen. Dann nehmen wir fast nur noch angespannte sexuelle Erregung überhaupt als sexuelle

Erregung wahr und haben nur wenig Vorstellung davon, dass es auch eine sehr zarte, entspannte, feine,

von anschwellenden Reaktionen unabhängige und dennoch und gerade dadurch bis zum Höchsten

steigerbare sexuelle Erregung geben kann. Dann kann unser sexuelles Begehren in unseren langjährigen

Beziehungen langsam weniger werden und uns glauben lassen, dass es eine Art natürliche "Abnutzung"

ist, dass es nicht anders sein kann, als dass es durch Gewöhnung nicht mehr so häufig spannend und

erregend ist.

Vor allem aber führt uns unsere angespannte Erregung zu einem wenig hilfreichen Umgang mit unserem

Körper. Anstatt uns überall und gerade auch unsere Genitalien in sanfter, zärtlichster Weise zu berühren,

gehen wir so oft zu schnell mit zu heftig reibenden Stimulationen in unsere Intimbereiche, spannen

unseren Beckenboden sehr viel an und versuchen immer stärkere Schwellungen und schließlich

möglichst kontrahierende Orgasmen auszulösen und glauben, dass Sex so geht, dass Sex so sein muss,

dass die Lustgefühle, die wir auf solche Weise haben, das sind, was wir erleben möchten, was wir

brauchen.

Wir glauben das und machen das, weil wir die schmelzenden und sehr tiefgehenden und starken Gefühle

scheuen, die wir fühlen würden, wenn wir uns lange Zeit sehr zärtlich stimulieren würden und uns tief in

unserem Becken entspannen und unsere Empfänglichkeit für diese Gefühle mehr und mehr verfeinern

würden.

Der zärtlichste Punkt, den wir in uns haben

Alle körperlichen Berührungen und auch alles was wir erleben, alle Eindrücke von außen, alle geistigen

"Berührungen", aber auch alle unsere inneren Bilder und Gedanken und alle in uns ausgelösten Gefühle

können wir als etwas erleben, das wir aktiv in uns aufnehmen, das wir wie von außen in uns hinein und

durch uns hindurch lassen. Auf den Energiebahnen (Meridianen) unseres Körpers können sie bis in

unsere Mitte fließen, in die Tiefe unseres Beckens - wenn wir uns darin öffnen und unsere Wahrnehmung

und Empfänglichkeit dafür schulen. Dann können sie dort den zärtlichsten Punkt, den wir in uns haben,

die Quelle unserer Lebensenergie berühren. Als zärtliche Gefühle kann sie langsam in uns nach oben

steigen und uns immer mehr erfüllen. So kann alles in uns zu etwas Zärtlichem werden, können alle

unsere angespannten, harten Gefühle und Gedanken zu weichen, schmelzenden Gefühlen und

Gedanken werden, können wir in allen Dingen ganz weich und zugleich kraftvoll werden. So ist

Körperliches und Geistiges untrennbar miteinander verbunden.

Starke zärtliche Gefühle sind die tiefsten Gefühle, zu denen wir fähig sind. Wir können sie nur in einem

entspannten und lebendigen Körper erleben. Es sind sanfte und in einer rhythmischen Weise aktive 

zärtliche Berührungen, die besonders wirkungsvoll diese Gefühle in uns zum Fließen bringen. Es sind

Berührungen mit feinen pulsierenden, wiegenden, wellenartigen, schlängelnden, tanzenden,

vibrierenden und dabei in die Tiefe unseres Körpers eindringenden Bewegungen, die vor allem in

unseren Intimbereichen, aber auch an vielen anderen Stellen unseres Körpers, wenn wir unseren

Beckenboden sehr weit öffnen, bis hinein in die Mitte unseres Beckens wirken und dort stärkste zärtliche

sexuelle Erregungen auslösen können.

Was wir „eigentlich“ im Sex suchen

Das ist der tiefe Sinn, das Geheimnis unserer Sexualität, das was wir "eigentlich" im Sex suchen, was so

sehr in Erfüllung gehen möchte. Unser starker Wunsch nach Sex ist in seinem tiefen Grund nicht ein

Wunsch nach bloßer Lust oder Vergnügen oder Spannungsabbau und auch nicht nur nach einer

besonderen Liebe, sondern ein ganz grundlegender Wunsch danach, mit unserer sinnlichen

Lebendigkeit, mit unserer wahren Lebensenergie, mit unserem innersten Kern, mit unseren starken

zärtlichen Gefühlen, mit unserer in uns wohnenden grenzenlosen Zärtlichkeit in Kontakt zu kommen, sie in

uns anzuregen und von ihr ganz und gar erfüllt zu werden.

Nur haben wir so oft keine Wahrnehmung dafür, verstehen wir uns so oft selbst nicht. Je gieriger wir

nach sexueller Lust und Spannungsabfuhr sind, desto verzweifelter und zugleich erfolgloser stellt es

einen Versuch dar, diese zärtliche Lebensenergie in uns zu entfachen. Und je fanatischer wir unsere

sexuellen Regungen ablehnen oder bekämpfen, desto verzweifelter versuchen wir damit, ihr zu

entkommen. Und hinter beidem steht eine große Angst vor den intensiven zärtlichen Gefühlen, die wir

eigentlich in der Tiefe unseres sexuellen Begehrens finden würden.

In ihrer ursprünglichen, unverfälschten Form ist unsere Lebensenergie eine unendlich starke zärtliche

sexuelle Energie, die in unserem Becken entspringt und von hier aus alle unsere Lebensregungen

durchdringt. Wir müssen unsere Empfindsamkeit für sie oftmals erst entwickeln, weil sie durch unser

kulturell so tief verankertes ständiges Meiden von sanften sexuellen Reizen und Gefühlen völlig verloren

gegangen und einer angespannten Sexualität gewichen ist.

Der Schmerz der Ekstase

Wenn wir unsere feinen sexuellen Empfindungen immer mehr

wiedererlangen, können sie beginnen, immer intensiver zu werden, und 

uns in eine tiefe, alles umfassende Erregung führen, die uns schließlich in

anhaltende ekstatische, orgasmische Höhen zu bringen vermag, die wir

bisher nur wenig kannten.

Diese Gefühle können so heftig sein, dass sie richtig weh tun können.

Deshalb meiden wir sie, fürchten den „Schmerz der Ekstase“ und halten

unsere sexuelle Erregung lieber auf einem „erträglicheren“ Niveau oder

wollen sie mit Kontraktionsorgasmen möglichst gründlich loswerden.

Sie können viel tiefgehender, viel aufwühlender und ergreifender sein, als

die sexuelle Erregung, die wir üblicherweise kennen. Sie können so stark

sein, dass sie darin wie über genitale Schwellungen weit hinausgehen.

Und tatsächlich ist es so: Je wahrhaft ekstatischer wir werden, desto

weniger werden wir möglicherweise dabei Erektionen haben. Und wenn wir welche haben, dann werden

sie eine zweitrangige Rolle spielen, dann werden sie nicht im Mittelpunkt stehen, dann werden sie nicht

das sein, was maßgeblich die Ekstase trägt, dann werden sie ihr nur welche von vielen möglichen Farben

geben.

Erregung vermittelt Zärtlichkeit

Wenn wir uns in zärtlich lebendiger pulsierender und sanft vibrierender Weise stimulieren und den Fluß

unserer Empfindungen nach innen in unser Zentrum richten, können wir eine so intensive Zärtlichkeit in

uns aufnehmen, dass sie lustvoll sexuell erregend wirkt. Die Erregung ist die Folge dieser starken

Zärtlichkeit. Sie ist das Mittel, der "Botenstoff", der uns die Zärtlichkeit so stark vermitteln kann, durch

den sie so stark in uns angeregt werden kann. Je stärker und anhaltender unsere zärtliche sexuelle

Erregung ist, desto intensiver geschieht diese Übertragung von Zärtlichkeit.

Deshalb sehnen wir uns so sehr nach Sex. Deshalb brauchen wir höchste sexuelle Erregung nicht nur für

mehr oder weniger kurze Momente, sondern als ein lang anhaltendes Dauererleben. Deshalb reicht uns

nicht die kurze Ekstase der Orgasmen, die wir üblicherweise kennen, sondern brauchen wir orgasmische

Zustände, die nicht sofort wieder aufhören, die vielmehr möglichst lange währen oder wieder und wieder

kommen.

Mit unserem oftmals so drängenden Bestreben, einen kontrahierenden Orgasmus zu haben, möchten wir

erreichen, dass wir wenigstens für einen kurzen Moment die Art von wirklich starker sexueller Erregung

erleben, die wir für unsere stärkste Form, Zärtlichkeit in uns aufzunehmen, brauchen.

Doch solche Momente sind viel zu kurz, um uns ausreichend mit Zärtlichkeit zu versorgen. Wir brauchen

ein anhaltendes orgasmisches Erleben, wir brauchen orgasmische Gefühle, die sich immer stärker und

weiter in uns ausbreiten, und schließlich als sich ausdehnende Orgasmen in großen Wellen wieder und

wieder unseren ganzen Körper durchfluten. Entladende orgasmische Kontraktionen werden uns dann

weniger wichtig werden, und wenn sie eintreten, können wir auch sofort danach wieder in eine zärtliche

Erregung und neue orgasmische Zustände kommen.

In allen unseren sexuellen Aktivitäten, wenn sie liebevoll sind, kann sich Zärtlichkeit für uns erfüllen. Alle

unsere sexuellen Regungen - selbst die, die nicht so sehr oder gar nicht liebevoll und zärtlich

daherkommen - sind „eigentlich“ nichts anderes als ein sehnlicher Wunsch nach dieser Zärtlichkeit, nach

tief und ausgiebig gefühlter starker, intensiver, extremer, heftiger - lustvoller, erregender Zärtlichkeit.

Warum Sex alles heilen kann

Wir brauchen Zärtlichkeit mehr als alles andere. Vom Anbeginn unseres Lebens 

an ist es Zärtlichkeit, die an erster Stelle macht, dass wir uns geliebt fühlen, uns

angenommen, aufgehoben und sicher fühlen. Das ändert sich unser ganzes

Leben nicht. Erregende Zärtlichkeit ist die stärkste Zärtlichkeit, die wir fühlen

können, ist also das, was am stärksten uns diese Liebe und Geborgenheit geben

kann. Unsere Genitalien sind viel mehr als bloße Lustspender. Sie sind unsere

stärksten Zärtlichkeitsaufnahmeorgane, die wir haben.

Das ist der wahre Grund, warum sexuelle Erregung für uns eine so große

Anziehungskraft hat, warum Sex für uns so wichtig ist, warum er so sehr die Welt

regiert. Und es ist der Grund, warum wirklich tiefgehender Sex alles heilen kann,

warum er uns zu unserer stärksten und tiefsten Heilung gegeben ist und nicht

dafür, in allen möglichen Bereichen aus unserem Leben verbannt zu werden.

Es ist aber auch der Grund, warum wir im Sex unseren größten Schmerz finden

können, warum wir vor seinen tiefen Ebenen so viel Angst haben und ihn lieber

nur als Lust erleben. Wir möchten nicht an die Mangelgefühle erinnert werden,

die wir z.B. in unseren ersten Lebensjahren so häufig erlebt haben. Dabei können

wir gerade durch zärtlichen und zärtlich-ekstatischen Sex genau in die Fülle

kommen, die wir so sehr entbehrten und immer noch entbehren und nach der

wir uns so existenziell sehnen.

Sexuelle Gefühle loswerden

Das Anschwellen unserer Genitalien ist oft nicht, wie wir meinen, etwas, wodurch unser sexuelles Erleben

automatisch intensiver wird. Es ist leider auch oft genau das Gegenteil, etwas womit wir uns den tieferen 

Gefühlen unserer Erregung und Ekstase zu entziehen versuchen, womit wir uns in ein oberflächliches

Lustempfinden flüchten.

Und dies geschieht bei Männern noch viel leichter als bei Frauen, denn ihr Körper ist noch mehr so

gebaut, sich im Becken zu verschließen und die sexuelle Energie einzusperren, durch Anspannungen des

Beckenbodens sie immer mehr in die Genitalien zu ziehen, dort einzuengen, bis sie schließlich vor allem

als begrenzte Lust, als rein genitale Spannung wahrgenommen wird und dabei so unangenehm werden

kann, dass wir sie mit kurzen Kontraktionsorgasmen so gerne wieder loswerden wollen. Und diese sind

dann auch noch für Männer durch ihre Samentätigkeit meist sehr viel einfacher und schneller zu

erreichen als für Frauen. Doch dadurch schließt sich ein Teufelskreis: Je direkter und erfolgreicher wir auf

solche reduzierten Kontraktionsorgasmen zusteuern, desto immer mehr verschließen wir uns im

Innersten unseres Beckens und spüren danach unsere sexuellen Gefühle wieder nur in unseren

Genitalien, und umso dringender wollen wir sie dann wieder auf diese Weise loswerden.

Dadurch erscheinen Männer oftmals beim Sex gieriger und auf Orgasmus ausgerichteter als Frauen und

kommt es so oft zu Disharmonien im sexuellen Zusammensein. Genauer betrachtet ist es aber nicht

wirklich Sex, wonach Männer noch gieriger sind als Frauen. Vielmehr sind sie noch mehr als diese süchtig

danach, ihre sexuellen Gefühle endlich loszuwerden.

Doch mit diesen angespannten sexuellen Gefühlen werden wir leider auch unsere zärtlichen sexuellen

Gefühle und damit alle unsere anderen tieferen Gefühle gleich mit los. Wenn wir höchste sexuelle

Erregung nicht oder nur kurz fühlen oder immerzu nur zum schnellen, direkt angesteuerten und alles

beenden wollenden Kontraktionsorgasmus gehen, verschließen sich uns die tieferen Gefühle unserer

Sexualität - und mit ihnen verschließt sich unser ganzer Körper und damit unser ganzes tiefere

Gefühlsleben.

Tiefe Verspannungen in unserem Becken-Bauch-Bereich und von hier ausgehende Spannungen überall

in unserem Körper unterdrücken die starken zärtlich sexuellen Gefühle, die ständig aus unserem Becken

aufsteigen und unseren Körper mit Energie erfüllen möchten. Die bloße Spannungsabfuhr in unseren

Genitalien, ebenso wie ein ständiges Wegschieben oder Unterdrücken unserer sexuellen Gefühle

verstärken dieses heftige Verschließen mehr und mehr. Unser Becken und unser ganzer Körper werden

so fest, dass schließlich alle unsere Gefühle nicht mehr in schmelzender, weicher, sondern mehr und

mehr in angespannter Weise in uns leben können. Die verbreiteten vielfältigen Rückenleiden,

Gelenkprobleme, Nacken- und sonstigen Verspannungen sind eine Folge davon. Unser ganzer

Bewegungsapparat kann immer mehr darunter leiden. Alle Formen von Krankheiten können durch

diesen ständigen Spannungszustand ausgelöst werden.

Empfänglich werden

Die wahren Meisterinnen im sexuellen Fühlen - und deshalb auch in allem anderen Fühlen - sind in der

Regel viel mehr die Frauen als die Männer. Ihre Unterlegenheit diesbezüglich spüren Männer

unterschwellig ganz genau. Das ist einer der wesentlichen Gründe, warum in so vielen Zeiten mehr die

Frauen als die Männer und mehr die weiblichen als die männlichen sexuellen Regungen so sehr

eingeengt und reglementiert wurden und weiterhin werden.

Statt sie zu bekämpfen, wäre es so viel wichtiger, das tiefe Fühlen als

Vorbild zu nehmen und als Mann zu einer empfänglicheren Sexualität zu

kommen - und auch als Frau. Wir sind alle dazu in der Lage, anstatt

immer nur sexuellen Kurzschlüssen und Flachheiten zu unterliegen, ganz

aufnehmend zu werden, uns genital weit zu öffnen, ganz in der Tiefe

unseres Beckens weich und weit und offen zu werden, durch die

empfindsamsten Stellen unseres Körpers den Anderen tief und zärtlich in

uns eindringen zu lassen, auch mit minimalen Stimulationen unendlich

starke zärtliche Erregungen im Zentrum unseres Beckens auszulösen und

sie in unseren ganzen Körper fließen zu lassen. Wir sind alle dazu in der

Lage, uns darüber bewusst zu werden und es zu fühlen, dass sich unser

sexuelles Zentrum nicht in unseren Genitalien befindet - sondern in der

Mitte unseres Beckens.

Auch für uns Männer kann Sex zu einer gefühlten Penetration werden. Auch von unseren Genitalien

können die Empfindungen ganz nach innen gehen. Dann können wir auch mit Erektionen und in

stimmigen Momenten auch mit heftig reibenden Stimulationen diese tief erregenden Gefühle fühlen und

können auch bei einem Verschwinden der Erektionen und selbst direkt nach Kontraktionsorgasmen in

dieser hohen zärtlichen Erregung verbleiben. Genitale Schwellungen und Kontraktionsorgasmen werden

dann aber nur ein Teil von vielen ekstatischen Möglichkeiten sein. Denn es wird uns nicht mehr darum

gehen, Spannungen abzubauen, sondern darum, unsere Lebensenergie anzuregen.

Unser Inneres Baby sich ausdehnen lassen

Mit ihrer Verbindung durch die Vagina zur Gebärmutter haben Frauen einen unmittelbaren

energetischen und körperlichen Zugang zu den schmelzenden, höchst erregenden sexuellen Gefühlen,

die vom Inneren ihres Beckens, vom Gebärmutterhals in ihren ganzen Körper strömen können. Diese

zervikale Erregung kann sehr anders sein als die sonst so häufige Erregung. Sie ist genau die tief von

unserem Beckenraum ausgehende Erregung, die wir sonst nur von außen durch die zärtlich pulsierenden

Stimulationen und das Lenken der Erregung nach innen auslösen können. Zervikale Orgasmen,

wellenartige Orgasmen, die nicht mehr aufzuhören scheinen, können Frauen direkt in ihrem

Beckeninneren auslösen, während Männer sie nur über die nach innen führenden Energiekanäle

hervorrufen können, für die wir unsere Wahrnehmung so oft erst entwickeln müssen. Vor allem von der

Peniswurzel, der Penisspitze, vom Rektum und vielen anderen besonderen Punkten im Intimbereich aus

können jedoch sehr starke Verbindungen nach innen gehen und auch Männern alle Möglichkeiten geben.

Dieser Ort in unserem Becken ist nicht nur der, in dem tatsächlich neues Leben entsteht, sondern auch

der, in dem weiterhin unser „Inneres Baby“ wohnt, in dem unser Leben lang unsere grundlegendsten

Bedürfnisse verborgen bleiben. Oft nicht gesehen und zusammengezogen schlummert dieses Baby dort

vor sich hin. Dabei ist es sein eigentliches Streben sich auszudehnen. Heute wie damals sehnt es sich nach

nichts mehr, als durch liebevolles rhythmisches Gedrückt-, Gestreichelt- und Gehaltenwerden

aufzublühen, sich auszuweiten, uns ganz zu erfüllen und über uns hinauszutreten und dadurch mit allem

um uns herum eins zu werden.

Gegensätze zwischen den Geschlechtern überwinden

Der freie Fluss unserer in unserem Becken entspringenden Zärtlichkeit wirkt sich auf alles aus, auf alle

unsere Gefühle, auf unsere ganze Lebensenergie, auf unser ganzes Leben. Dann können wir es fühlen, es

ganz konkret erleben, dass unsere sexuellen Gefühle nicht von unseren sonstigen Lebensgefühlen

getrennt sind, dass sie uns ständig durchströmen und dabei ihre Energie in alle Gefühle, in jedes Streben

geben, das wir haben - dass beides letztlich eins ist. Dann können wir spüren, dass es in unserem tiefsten

Innersten nur Zärtlichkeit gibt, und dass sie alles erfasst, was in uns und außerhalb von uns existiert, und

können so zum selben Urgrund unseres Menschseins kommen. Frauen haben es dabei oftmals ein

bisschen leichter als Männer.

Genitale Öffnung und zarteste, sanft pulsierende, sanft vibrierende und oft nur minimale Stimulierungen

sind die Schlüssel dazu, die Gegensätze zwischen den Geschlechtern zu überwinden und von beiden

Seiten aus zu einer Sexualität der zärtlichen Erregung zu kommen, wie es unserem eigentlichen

Menschsein und unserer wahren Sexualität entspricht. In dem Maß, wie wir lernen, Intensität und

Heftigkeit auch in feinen Gefühlen zu fühlen, kann Sex uns von zartesten bis zu stärksten zärtlichen

Gefühlen, von leichtester bis zu dauerorgastischer sexueller Erregung alles geben, wonach wir uns

wirklich sehnen. So kommen wir zu unserer wahrhaft menschlichen Sexualität, in der es keinen

grundlegenden Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt, in der wir durch eine überwältigende

Ähnlichkeit und nicht durch angebliche Gegensätzlichkeit oder Ergänzung uns wirklich zu einer

vollkommenen Einheit verbinden können.

Und sie bringt eine große Entspannung in unser sexuelles Zusammensein, erlöst uns von der Vorstellung,

durch anstrengende Aktivitäten Anschwellungen der Genitalien und Orgasmen erreichen zu müssen.

Für zärtliche Erregung braucht es tiefe innere Entspannung, tiefe innere Öffnung, feines Fühlen und eher

wenig, aber präsentes und dabei sehr entspanntes Tun - aber auch nicht Nichtstun, wie es teilweise

angepriesen wird. Es geht nicht darum, wie oft gesagt wird, "absichtslos" zu berühren im Sinn von "nichts

zu wollen", sondern darum, auf eine geben möchtende, Zärtlichkeit schenken möchtende Weise zu

berühren, und uns das Bekommen von zärtlicher Berührung zu wünschen und diesen Wunsch intensiv zu

fühlen und uns an unserem wünschenden Fühlen und gegebenenfalls auch am Bekommen zu erfreuen.

Intim-Akupressur

Tender Sex ist wie „Akupressur-Sex“, ist tiefste und dabei häufig erektionslose sexuelle Erregung durch

feinestes pulsierendes und vibrierendes Stimulieren der Akupressurpunkte unserer Intimbereiche und

unseres ganzen Körpers, ist eine zarte und intensive sexuelle Erregung, die durch unsere Meridiane fließt

und uns überaus wirksam heilen kann. Die Meridiane hören nicht bei unseren Genitalien auf, im

Gegenteil, in ihnen verlaufen besonders viele und besonders empfindsame Energiebahnen, die sehr

direkt in das Zentrum unseres Beckens wirken. Dass die alte chinesische Medizin diesen Bereich

ausgeklammert und den sexuellen Gehalt unserer heilenden Lebensenergie nicht herausgestellt hat,

zeigt einmal mehr, wie sehr wir Menschen unsere Sexualität zu fast allen Zeiten der Tabuisierung

unterworfen haben und weiterhin unterwerfen und uns dadurch unserer wichtigsten Potentiale

berauben.

Denn unsere zärtlich erregenden Gefühle sind nichts anderes als die Kundalinienergie, wie sie im

Tantrismus schon vor Jahrtausenden beschrieben wurde, die als eine unermessliche Kraft aus unserem

Becken kommt, und, wenn sie frei in uns aufsteigen kann, uns in dauerhafte Glückseligkeit versetzen

kann - und doch den meisten Menschen nur zu einem kleinen Teil zur Verfügung steht.

Sex ist Zärtlichkeit

Menschen in ihren sexuellen Regungen zu beschränken und zu beschämen bedeutet, sie auch in ihrer

Verbindung zu ihrer zärtlichen Lebensenergie zu beschränken und zu beschämen, bedeutet, sie von ihrer

potentiellen Zärtlichkeit und damit von ihrer potentiellen Liebesfähigkeit wegzuführen.

Sex verbindet sich nicht mit Liebe - Sex ist Liebe! 

Sex verbindet sich nicht mit Zärtlichkeit - Sex ist Zärtlichkeit.

Auch in jeder noch so unzärtlichen sexuellen - oder sonstigen - Lebensäußerung steckt unsere

ursprüngliche Zärtlichkeit. Sie ist der wahre Kern in allem, was wir Menschen fühlen, denken und tun.

Deshalb können wir sie nur in dem finden, was wir fühlen, denken und tun, und nicht außerhalb davon,

daneben, woanders. Deshalb können wir unsere Zärtlichkeit nur in unseren sexuellen Regungen, auch

den unschönen, unzärtlichen, finden und nicht außerhalb davon.

Durch sanfte zärtlich pulsierende Berührungen können wir sie unter all den Schichten von

Angespanntheit, Härte und Unempfindlichkeit wiederfinden, die wir uns zugelegt haben, um sie nicht

(mehr) fühlen zu müssen. Mit diesen Berührungen können wir uns selbst und einander dazu verhelfen,

sie auf eine erträgliche, tröstliche, uns aufbauende und glücklichmachende Weise wieder zu fühlen.

Dann kann sie uns mit der alles umfassenden Liebe erfüllen, die unser wahres Menschsein ausmacht,

und uns selbst und der Welt den Frieden bringen, nach dem wir uns alle so sehr sehnen.

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