© Eduard Erhart
OHeilende Zärtlichkeit
Eduard Erhart Jahrgang 1961 Diplom-Sozialarbeiter Physiotherapeut Vater von 4 Kindern

Vor nun 8 Jahren begann für mich ein Prozess umwälzender Veränderungen. Ich machte die wichtigste

Entdeckung meines Lebens. Ich fand plötzlich einen Weg, wie ich zu meinen Tränen komme.

Es war eine Ahnung, die mich mein ganzes erwachsenes Leben begleitete: Es sind so viel ungeweinte

Tränen in mir, es ist so viel Schmerz in mir, ungefühlter Schmerz, den ich unbedingt in seiner ganzen

Tiefe und Breite fühlen müsste, um alle meine Probleme, die ich mit meinem Leben habe, aufzulösen.

Ich machte mich auf die Suche, versuchte viele verschiedene körper- und psychotherapeutische

Methoden und bin trotzdem nie dorthin gekommen. Meine Angst vor diesem Schmerz schien viel größer

zu sein als alles andere.

Der erste große Einschnitt war meine ausgiebige Beschäftigung mit der Gewaltfreien Kommunikation von

Marshall Rosenberg, bei der ich maßgeblich von Tina Schmitt, zertifizierte Trainerin für GfK (CNVC)

begleitet wurde. Wenn ich bezogen auf eine Konfliktsituation mich mit dem verbinden konnte, um was es

mir "wirklich" geht, was meine wirklich tiefsten Wünsche sind, kamen mir oft sich so gut anfühlende

Tränen, wie ich sie mir immer gewünscht habe.

Der zweite große Einschnitt waren meine "Gefühlemeditationen". Ich kam auf die Idee, auf einem

meditativen Weg nach innen zu meinen nicht gefühlten Tränen zu gehen - und konnte sie so tatsächlich in

mir finden und sie zuerst nur schwach und dann aber immer stärker fühlen.

Ich fand scheinbar endlosen Schmerz in stundenlangem Weinen - aber ich fand dabei einen

wunderbaren Schatz:

Im tiefsten Grund von jedem Schmerz ist Freude! 

Es sind Freudenschmerzen, die wir in jedem Schmerz finden können! Es ist immer die Freude an dem,

was wir uns wirklich wünschen, an dem, was wir zutiefst als wertvoll ansehen.

Immer deutlicher wurde mir, dass es unterschiedliche Arten von Schmerz gibt und dass es ein positiver,

ein aufbauender Schmerz ist, den ich hier fühle. Ich begriff, dass wir Schmerz nur dann ganz fühlen

können, wenn wir ihn als etwas Tröstliches, Freude Beinhaltendes erleben - und dass er auch nur dann

heilsam ist.

Immer mehr wuchs in mir die Gewissheit, dass es tatsächlich unsere Tränen sind, dass es das Weinen ist,

mit dem wir uns am stärksten und tiefsten mit uns selbst verbinden können - wenn es frei von Anklage ist,

frei von Schuldzuweisungen ist, wenn es sich „nur“ auf das bezieht, was wir jetzt gerade so gerne erleben

möchten, und wenn es unsere wirklich wahren Wünsche sind. Und dass diese Tränen unsere

Selbstverbundenheit so unglaublich stark machen können, dass sich die Dinge wie in uns selbst erfüllen -

dass wir durch sie aus uns selbst heraus zu den erfüllten Menschen werden können, die wir so

lebensnotwendig sein müssen, um glücklich zu sein und friedlich und nah mit unseren Mitmenschen zu

sein.

Es lösten sich unendlich viele Spannungen in mir, es kehrte immer mehr Freude in mir ein, ich wurde

immer glücklicher und gesünder - und doch blieb da ein fester Kloß, eine große Anspannung in mir, in

meinem Bauch, in meinem Rücken, in meiner ganzen rechten Körperseite.

Dann kam der dritte große Einschnitt. Ich entdeckte, dass diese Spannungen auf besondere zarte,

zärtlich pulsierende Berührungen ganz extrem reagieren. Dass ich durch solche Berührungen ein starkes,

erregendes Strömen in meinem Körper auslösen kann, dass ich ganz direkt die Gefühle aus den

Spannungen herauslocken und fühlen kann, die in ihnen gespeichert sind.

Und wieder war es heftiger, scheinbar endloser Schmerz - und wieder fand ich einen wunderbaren

Schatz:

Der tiefste Grund dieses Schmerzes ist Zärtlichkeit! 

Es ist eine grenzenlose, unglaublich heftige Zärtlichkeit, die ständig in uns aufsteigen möchte, die sich

ständig aus unserem Becken in unseren ganzen Körper und in alle Welt ausbreiten möchte. Es sind

unsagbar starke zärtliche Gefühle, die wir ständig in uns zurückhalten, die eigentlich leben und sich mit

allem, was wir erleben, verbinden möchten, die alles für uns zu etwas Zärtlichem und Liebenswertem

machen möchten.

Es braucht Berührung - konkrete "therapeutische" zärtliche Berührung unseres Körpers - damit sich alle

Spannungen in uns lösen können, damit wir zu unserem wahren Menschsein kommen können.

Wir brauchen sie nicht nur als Säuglinge, wir brauchen sie unser ganzes Leben lang. Auch wenn es

möglich ist, "Berührung" nur rein geistig zu erleben, brauchen die allermeisten Menschen sie doch

vielfältig und beständig in ganz realer körperlicher Form. Nur wenn wir das Schwingen und Strömen

unserer zärtlichen Lebensenergie in unserem Körper ständig fühlen, können wir seelisch und körperlich

völlig glücklich und gesund sein.

In zwei Jahren intensiver Körpererforschung entwickelte ich die Techniken und inneren Prozesse der

Heilenden Zärtlichkeit. Ich sehe, dass manche Ähnlichkeiten und Grundlagen dafür in der alten

chinesischen Meridianetherapie (Akupunktur, Akupressur), in den alten östlichen Kundalini- und

tantrischen Lehren, in der Cranio-Sakral-Therapie unserer Zeit und in unzähligen anderen Methoden zu

finden sind. Und doch erscheint es mir so, dass die immense Bedeutung der körperlichen und geistigen

Zärtlichkeit und die wahre Natur der körperlichen zärtlichen Berührung, ihre unterschiedlichen Arten,

Funktionsweisen und Wirkungen noch nie wirklich entdeckt und in der rechten Weise erforscht wurden.

Dabei ist sie das, was uns am meisten heilen kann!

Ausgangspunkt war für mich jedoch ein völlig neues Erleben meiner Sexualität.

Ich entdeckte, dass ich an bestimmten Punkten in meinen Intimbereichen mit äußerst minimalen und

zart pulsierenden Berührungen unglaublich starke und tiefgehende sexuelle Erregungen auslösen kann -

und das meist ohne jegliche Erektionen, die ich bisher immer meinte dafür bekommen zu müssen.

Meine umwerfendste Erfahrung dabei aber war und ist, dass ich gerade durch diese starke erektionsfreie

Erregung eine so tiefe innere Erfüllung empfinden kann, wie ich mich mein Leben lang danach gesehnt

habe.

Und zu meiner nächsten Überraschung merkte ich, dass ich solche Gefühle auch an vielen anderen

Stellen meines Körpers auslösen kann, dass ich selbst höchste (erektionsfreie) Erregung auch außerhalb

von „erogenen Zonen“ erleben kann.

Immer mehr wurde mir klar, dass es stets um zärtliche Gefühle geht, dass alle sexuellen Gefühle, die wir

haben, in ihrem Kern zärtliche Gefühle sind und dass umgekehrt alle zärtlichen Gefühle, die wir haben, in

ihrem Kern sexuelle Gefühle sind.

Endlich verstand ich mich selbst und den Rest der Welt - verstand dass und warum unsere Sexualität für

uns so wichtig ist, so sehr unser Innerstes berührt und unser ganzes Leben bestimmt. Und warum sie es

in unserer Welt leider so häufig im negativen und nicht nur im positiven Sinn tut.

So gehört zur Heilenden Zärtlichkeit auch die heilende zärtliche Sexualität, die ich Tender Sex nenne,

gehören unsere Sexualität und der Rest unseres Lebens untrennbar zusammen, ist letztlich beides eins.

Deshalb können wir nur durch Frieden in unserer Sexualität auch zum Frieden in der Welt kommen.

Über mich

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